
05.05.2026
40 Jahre Joseph-von-Fraunhofer und Saint-Joseph
Diese lange Tradition hat das Chamer Gymnasium tatsächlich seiner Nachbarstadt Schwandorf zu verdanken. Bereits seit den 1960er Jahren verbindet Schwandorf eine bis heute äußerst lebendige Städtepartnerschaft mit der südwestfranzösischen Kleinstadt Libourne – entstanden im Geist des Deutsch-französischen Freundschaftsvertrags.
Schon früh eröffnete diese Verbindung Gymnasiasten aus Schwandorf und Oberviechtach die Möglichkeit, Gleichaltrige in Frankreich kennenzulernen und interkulturelle Erfahrungen zu sammeln. Als zu Beginn der 1980er Jahre die Teilnehmerzahlen jedoch zurückgingen, wandte man sich an das Joseph-von-Fraunhofer-Gymnasium in Cham und bot rund 15 Schülerinnen und Schülern an, am Austausch teilzunehmen. Das Interesse in Cham war von Anfang an groß – und wuchs stetig weiter. Gleichzeitig zeigte auch die französische Seite zunehmendes Engagement, sodass immer mehr Schulen an einem Austausch interessiert waren. Schließlich entwickelte sich daraus eine eigenständige Partnerschaft mit dem Collège Saint Joseph. In den Anfangsjahren wurde der Austausch vor allem durch das große Engagement der langjährigen Französischlehrerin Petra Weindl und ihrer französischen Partnerin Michelle Vincent getragen. In den 2000er Jahren führten Monika Pressler und Monique Buzet diese Erfolgsgeschichte als eingespieltes Team fort, mit Franz Ried als treuen Begleiter. Heute liegt die Verantwortung auf französischer Seite bei Anna Maître-Lenz und am JvFG bei Susanne Weber. Beide setzen sich mit großem Einsatz dafür ein, diese wertvolle Tradition lebendig zu halten – und der zunehmenden Sprachlernmüdigkeit mit frischen Ideen und Begeisterung entgegenzuwirken.
So brachen Susanne Weber und Alexandra Fuchs auch heuer wieder mit 25 Schülerinnen und Schülern auf ins 1500 km entfernte Libourne auf, heuer zum ersten Mal mit dem Busunternehmen Bauer aus Neunburg, die schon fast einen Linienverkehr zwischen den beiden Städten haben, da sie auch eng mit Schwandorf zusammenarbeiten.
Nach einer langen Nacht im Bus war auch in diesem Jahr das imposante Loire-Schloss Chambord die erste Station der Reise. Nach einer kurzen Einführung in die Entstehungsgeschichte des Schlosses im 16. Jahrhundert – unter der Herrschaft des berühmten Renaissance-Königs François I. von Frankreich – wurde schnell klar, dass dieses Bauwerk weit mehr als nur eine Residenz war. Vor allem als eindrucksvolles Machtsymbol gegenüber seinen mächtigen Zeitgenossen wie Heinrich VIII. und Karl V. errichtet, spiegelt Chambord den Glanz und die Rivalitäten seiner Epoche wider.
Im Anschluss durften die Schülerinnen und Schüler das Schloss auf eigene Faust erkunden. Dabei durfte ein besonderes Highlight natürlich nicht fehlen: die berühmte doppelläufige Wendeltreppe, die auf Entwürfe von Leonardo da Vinci zurückgeht – und jedes Jahr aufs Neue neugierig getestet wird.
Mit sprichwörtlicher deutscher Pünktlichkeit rollte der Bus um 17:05 Uhr wie vereinbart am Quai in Libourne ein, wo die Austauschpartner gemeinsam mit ihren Familien bereits voller Vorfreude warteten. Die gespannte Erwartung sowohl im Bus als auch draußen war sofort spürbar.
Im Anschluss wurden die Schülerinnen und Schüler herzlich am Collège Saint-Joseph empfangen. Der neue Direktor Fred Bienvenu hieß die Gruppe offiziell willkommen und hob in einer kurzen Ansprache die große Bedeutung von Fremdsprachen hervor. Besonders betonte er, wie wertvoll die unmittelbaren Erfahrungen im Familienalltag für das gegenseitige Verständnis und das interkulturelle Lernen sind.
Schon am nächsten Morgen stand der gemeinsame Ausflug an den Atlantik auf dem Programm. Bei einer balade ludique – einem „spielerischen Spaziergang“ – durch das elegante Villenviertel des Badeortes Arcachon erhielten die französischen Schülerinnen und Schüler eine klare Mission: ihre deutschen Partner möglichst oft zum Französischsprechen zu bringen. So wurde der Spaziergang ganz nebenbei zu einer lebendigen Sprachübung.
Am Nachmittag ging es weiter zur imposanten Dune du Pilat. Bei sommerlichen 28 Grad hielt es diesmal kaum jemanden lange oben auf der riesigen Sanddüne. Stattdessen zog es fast alle die steile Seite wieder hinunter – direkt Richtung Atlantik, wo die wohlverdiente Abkühlung wartete.
Die Begrüßung im Rathaus von Libourne am Mittwochmorgen war wie immer ausgesprochen herzlich. Frau Weber und Frau Fuchs freuten sich besonders, auch in diesem Jahr wieder von Gabi Höper empfangen zu werden. Nach den jüngsten Kommunalwahlen wurde das Team des Bürgermeisters – dem sie seit vielen Jahren angehört – mit beeindruckenden 70 % im Amt bestätigt. In ihrem Vortrag betonte die überzeugte Europäerin, dass dieser Erfolg vor allem auf die engagierte Jugendarbeit der Stadt zurückzuführen sei. Insbesondere die vielfältigen Angebote zur Förderung der Mobilität eröffnen jungen Menschen neue Perspektiven und stärken den europäischen Gedanken. Im Sitzungssaal erhielten die Schülerinnen und Schüler aus Cham anschließend einen authentischen Einblick in die Atmosphäre einer Stadtratssitzung. Zum Abschluss durften sie sogar das Bürgermeisterbüro betreten und dort eine schriftliche Botschaft für den Bürgermeister hinterlassen – ein besonderer Moment, der sicher in Erinnerung bleibt.
Die mittelalterlichen Ursprünge der Stadt wurden den Schülerinnen und Schülern im Anschluss bei einer Stadtführung nähergebracht. Dabei erfuhren sie, wie sich der Ort im 13. Jahrhundert unter englischer Herrschaft – angeführt von Roger de Leybourne – von einer kleinen römischen Siedlung zu einer planmäßig angelegten Bastide entwickelte. Den Abschluss bildete der Besuch der örtlichen Kirche, in der ein besonderes Relikt besichtigt werden konnte: die Sainte Épine, ein „heiliger Dorn“, der der Überlieferung nach aus dem Dornenkranz Jesu stammt.
Auch in diesem Jahr lernten die Schülerinnen und Schüler Bordeaux – die größte Stadt der Region Nouvelle-Aquitaine – vor allem aus künstlerischer Perspektive kennen. Besonders beeindruckend zeigte sich die lebendige Street-Art-Szene: Zahlreiche namhafte Künstler haben sich mit ihren Werken an den Mauern der Stadt verewigt und verleihen Bordeaux ein kreatives, modernes Gesicht.
Ein weiterer Höhepunkt des Tages war die anschließende Shoppingtour in der berühmten Rue Sainte-Catherine, die als eine der längsten Einkaufsstraßen Europas gilt. Hier konnten die Schülerinnen und Schüler nach Herzenslust bummeln und den Tag entspannt ausklingen lassen.
Einen reizvollen Kontrast zum mondänen Bordeaux bildet das mittelalterliche Dorf Saint-Émilion, das vor allem unter Weinkennern weltweit einen hervorragenden Ruf genießt. Mit seinen verwinkelten Gassen, historischen Gebäuden und der besonderen Atmosphäre versprüht der Ort einen ganz eigenen Charme.
Die Schülerinnen und Schüler nutzten die Gelegenheit, gemütlich durch die engen Straßen zu schlendern und die zahlreichen kleinen Souvenir- und Touristenläden zu entdecken.
Nach einem ereignisreichen Wochenende in den Gastfamilien fiel der Abschied am Sonntagabend entsprechend tränenreich aus. Ein kleiner Trost wartete jedoch bereits: Nach der nächtlichen Busfahrt stand das letzte große Highlight des Austauschs bevor – ein Besuch der französischen Hauptstadt Paris, die die Gruppe in den frühen Morgenstunden erreichte. Mit Stationen am Arc de Triomphe, entlang der Champs-Élysées, am Eiffelturm, im Louvre und im charmanten Viertel Montmartre erkundeten die Schülerinnen und Schüler die bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Dabei erlebten sie die typische Großstadtatmosphäre hautnah – nicht zuletzt in den gut gefüllten Metrozügen. Nach rund 25.000 Schritten und einer Fülle an Eindrücken kehrte die Gruppe am Abend sichtlich erschöpft, aber zufrieden zum Bus zurück und trat schließlich die Heimreise an. Damit setzt der Austausch ein weiteres starkes Zeichen für gelebte europäische Freundschaft – und macht Lust auf den Gegenbesuch im Juni, wo man den französischen Partnern eine ebenso spannende und erlebnisreiche Woche bieten möchte.
Auch in diesem Jahr konnte der Austausch mit der Unterstützung des Deutsch-französischen Jugendwerks durchgeführt werden, wodurch die Kosten für die einzelnen Familien deutlich gesenkt werden konnten. Das JvFG möchte sich herzlich dafür bedanken.
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