Sternwarte

Die Fraunhofer-Sternwarte auf dem Dach unserer Schule

 

Das Hauptfernrohr unserer Sternwarte ist ein 150 mm f 8 Carl Zeiss APQ Triplet Apochromat. In diesen Daten sind die Bauweise und die daraus folgenden optischen Eigenschaften angedeutet.

 

 

Die Sternwarte und das Fernrohr auf dem Dach des Schulgebäudes

 

 

Als Refraktor (Linsenfernrohr) hat er gegenüber dem Reflektor (Spiegelfernrohr) den Vorteil der besseren Definition, d.h. es können mehr Einzelheiten damit gesehen werden. Dies ist vor allem bei der Planetenbeobachtung von Vorteil. Das Öffnungsverhältnis von 1:8 (Objektivdurchmesser 150 mm und Brennweite 1200 mm) garantiert eine enorme Lichtstärke. Als Dreilinser (zwei Konkav- und eine Konvexlinse) besitzt er fast ideale Farbreinheit; damit sind Abbildungsfehler (sphärische Aberration und Koma) ausgeschlossen.

 

Sonnenbeobachtung ist möglich mit dem Herschel-Prisma in Durchsicht, mit Projektionsschirm und mit dem Protuberanzenansatz, der am Leitrohr befestigt wird. Mit diesem Gerät wird die Sonnenscheibe durch eine Kegelblende verdeckt, sodass eine Art künstliche Sonnenfinsternis entsteht. So können sonst nicht sichtbare Vorgänge in der Sonnenatmosphäre beobachtet werden, von denen die Protuberanzen (vergleichbar den Wolken auf der Erde) die eindrucksvollsten sind.

 

Die STV CCD Kamera Deluxe (professioneller Autoguider = elektronisch gesteuertes Nachführgerät und Videokamera) ermöglicht die Übertragung der Fernrohrbilder, und zwar nicht nur von hellen Himmelskörpern wie Mond und Planeten, sondern auch von lichtschwachen Objekten (Galaxien, planetarische und Gasnebel) auf die Leinwand des angrenzenden Musikpavillons.

 

Ein transportabler Refraktor (Objektivdurchmesser 150 mm und Brennweite 1500 mm) mit Pyramidenstativ vervollständigt unsere Gerätesammlung.

 

Im Bau befindet sich ein hoch auflösender Gitterspektralapparat, mit dem die Spektren (Farbbänder) der Sterne untersucht werden können.

 

 

1. Sonne / 2. Vollmond

3. "Doppelgalaxie" zwischen den Sternbildern Großer Bär und Jagdhunde

4. Planet Saturn

 

 

Nutzung der Sternwarte

Im Unterricht wird die Sternwarte in vielfältiger Weise eingesetzt. Den Schülern von Unter- und Mittelstufe wird jedes Jahr eine Arbeitsgemeinschaft Astronomie angeboten, in der Kollegstufe kann im Grundkurs die Lehrplanalternative "Astronomie" gewählt werden und Schüler des Leistungskurses Physik können sich in ihrer Facharbeit mit einem astronomischen Thema auseinander setzen.

 

Die Sternwarte steht auch der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Es werden seit Jahren regelmäßige wöchentliche Beobachtungsabende unter Leitung des Betreuers der Sternwarte StR Roland Kastner angeboten. Von Schuljahresbeginn bis Pfingsten ist die Sternwarte bei passender Witterung jeden Freitag (außer während der Ferien) ab 21.00 Uhr (Sommerzeit) bzw. ab 19.00 Uhr (im Winterhalbjahr) geöffnet. Treffpunkt ist stets in der Pausenhalle bzw. am Lehrerparkplatz am Osteingang der Schule. Bei besonderen astronomischen Ereignissen (Finsternisse, Auftauchen eindrucksvoller Kometen und Planetendurchgänge vor der Sonne) ist die Sternwarte zusätzlich geöffnet. Dies wird jeweils in der örtlichen Presse angekündigt.

 

 

1. Halbmond / 2. Planet Jupiter / 3. Offener Sternhaufen im Sternbild Krebs

4. Partielle Sonnenfinsternis am 31.06.2003

 

 

 

 

Vorträge

 

Immer wieder gibt es am Joseph-von-Fraunhofer-Gymnasium Vorträge von hochkarätigen Referenten zu astronomischen Phänomenen, zuletzt von Prof. Dr. Andreas Burkert am 11.11.2010 zum Thema:

 

 

Wie ein Stern entsteht

Faszinierender Vortrag von Prof. Dr. Andreas Burkert


Um die Entstehung von Sternen zu simulieren, braucht man entweder einen Supercomputer und einen Stab von Doktoranden oder man beobachtet das langsame Anwachsen von Staubflusen unter dem Bett und die gebe es auch bei ihm zuhauf, so Prof. Dr. Andreas Burkert von der Ludwig-Maximilian-Universität München bei seinem Vortrag über die Entstehung von Sternen letzte Woche am Joseph-von-Fraunhofer-Gymnasium. Sterne bilden sich nämlich aus ausgedehnten Gas- und Staubwolken, die unter ihrer eigenen Gewichtskraft zusammenstürzen.






Prof. Dr. Burkert bei seinem Vortrag ...





... vor zahlreichen interessierten Zuhörern ...





... in der Fraunhofer-Pausenhalle



Aber zunächst relativierte der Referent, der auch am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik arbeitet, die Bedeutung des Menschen, des Homo Sapiens, der sogenannten Krönung der Schöpfung. Unsere Erde ist einer unter acht Planeten unseres Sonnensystems. Aber selbst unsere Sonne ist nichts Besonderes, nur ein Stern unter ungefähr 100 Milliarden Sternen in unserer Galaxie, der Milchstraße. Doch nicht einmal auf unsere galaktische Heimat können wir uns etwas einbilden, da es etwa 100 Milliarden Galaxien gibt, die meist ähnlich wie unsere Milchstraße aus Spiralarmen aufgebaut sind. Nach den letzten Beobachtungen, so Prof. Burkert, kann man davon ausgehen, dass jeder dritte Stern im Universum von Planeten begleitet wird. Es wäre also höchst unwahrscheinlich, dass die Erde der einzige Planet ist, auf dem sich Leben entwickelt hat. Da die Menschheit momentan ihre Lebensgrundlagen leichtfertig aufs Spiel setzt, beruhige ihn dieser Gedanke, so Prof. Burkert: Wenn es bei uns schief geht, wird sich doch an einem anderen Ort im Universum das Leben weiterentwickeln.




Die Chemie des Menschen entspricht der Chemie des Universums.

Fazit: Wir sind letztlich Sternenstaub.



Mit einer faszinierenden, virtuellen Reise durch ein Sternentstehungsgebiet unserer Milchstraße konnte der Referent die Entwicklungsphasen der Sterne aus nächster Nähe darstellen. Prof. Burkert präsentierte den ca. 150 staunenden Zuhörern fantastische eigene Aufnahmen aus dem Orionnebel, auf denen Sterne zu beobachten waren, bei denen gerade erst die Kernfusion eingesetzt hatte und sich gerade ein Planetensystem ausbildet. Beeindruckende Simulationen, von seinen Doktoranden erstellt, gaben einen Einblick in den aktuellen Stand der Forschung. Die allerletzte Phase des Sternenlebens wird jetzt für uns Menschen interessant. Im Sterbeprozess der Sterne werden alle Elemente, die schwerer sind als Wasserstoff und Helium, erbrütet und das in einem Verhältnis, das dem Aufbau jedes Menschen entspricht: Wir Menschen sind also letztlich Sternenstaub. Allerdings macht die Chemie des Menschen das Menschsein noch lange nicht aus, gab der Referent auf die besorgte Nachfrage eines Zuhörers zu bedenken. Vielmehr gehören auch Kunst, Musik, Religion und vieles mehr, das ein Naturwissenschaftler wie er nicht erfassen kann, dazu. Die vielen Fragen des Publikums am Ende des Vortrags zeigten, dass Prof. Burkert seine Begeisterung für die Astronomie an Jung und Alt weitergeben konnte.




Referent Prof. Dr. Andreas Burkert, Schulleiter OStD Rudolf Reinhardt

und Organisator OStR Roland Kastner (v. l.)



Am Schluss bedankte sich Schulleiter OStD Rudolf Reinhardt bei Referent Prof. Dr. Burkert, der gerne nach Cham gekommen war und auch gerne wieder zu einem anderen Thema der Raumphysik, z. B. Kosmologie, am Joseph-von-Fraunhofer-Gymnasium sprechen wird, sowie bei dem Organisator des Abends, dem Betreuer der Fraunhofer-Sternwarte OStR Roland Kastner, der den Referenten auch eingeladen hatte. Besonders freute es den Schulleiter, dass auch eine Reihe interessierter Unterstufenschüler anwesend war, die aufgrund der lockeren Vortragsweise Prof. Burkerts die Thematik ohne Probleme verstehen konnten und die vom Referenten als "zukünftige Sternenforscher" bezeichnet wurden.

 


 

Wer selbst einen Blick in die Tiefe des Weltalls werfen möchte, kann dies jeden Freitagabend bei klarem Himmel in der Fraunhofer-Sternwarte tun. Treffpunkt ist jeweils der Hintereingang der Schule am Lehrerparkplatz um 19.00 Uhr.

 

 

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