Fraunhofer-News und Hinweise

Einblicke in die Chamer Nachkriegszeit

Fraunhofer-P-Seminar präsentiert einzigartige Impressionen


Dass nun einzigartige, bisher unveröffentlichte Bilder der Chamer Nachkriegszeit von Interessierten betrachtet werden können, ist die besondere Leistung des P(rojekt)-Seminars „Cham in der Nachkriegszeit“ des Joseph-von-Fraunhofer- Gymnasiums. Elf geschichtsinteressierte Schüler haben in mühevoller Kleinarbeit Unmengen an Archiv-Material gesichtet, digitalisiert und bearbeitet, um es schließlich der Chamer Öffentlichkeit präsentieren zu können.




Die Mitglieder des P-Seminars "Cham in der Nachkriegszeit"

mit Zeitzeugen StD a. D. Josef Bauer (l.),

Schulleiter StD Dr. Hubert Balk (2. v.l.), Lehrerin LAssin Irene Haberl (3. v. r.)

und Sparkassen-Marktbereichsdirektor Markus Bandasch (2. v. r.)



Nach der Eröffnung der Ausstellung durch die Schüler des Seminars am Dienstag, 10.1.2012, richtet das Publikum in der Schalterhalle der Sparkasse Cham die gebannten Blicke auf die Leinwand, auf der originale Filmaufnahmen der Chamer Nachkriegszeit zu sehen sind. „Für mich sind diese Aufnahmen Erinnerungen an meine Kindheit“, meint ein Besucher der Ausstellung gerührt, nachdem der Film zu Ende ist. Ein anderer ist erstaunt, dass sich manchmal kaum etwas verändert hat.




Musikalische Umrahmung und einführende Worte ...  



Die Schüler hatten zu einzigartigen Filmaufnahmen aus dem Cham der Nachkriegszeit Parallelaufnahmen gedreht, um die Schauplätze zu verorten, aber auch um Veränderungen und Kontinuitäten im Stadtbild deutlich zu machen. Das Material wurde der Schule vom Stadtarchiv Straubing zur Verfügung gestellt, stammt aber ursprünglich aus dem Nachlass des gebürtigen Polen Wladyslaw Szablinski, der durch die Kriegswirren in Cham gelandet war. Szablinski war seit 1944 im KZ Flossenbürg interniert und wurde am 21. April 1945 während eines Evakuierungsmarsches von Flossenbürg nach Dachau von amerikanischen Truppen in der Nähe von Cham befreit. Daraufhin blieb er in Cham und arbeitete in den ersten Nachkriegsjahren als Dolmetscher und Übersetzer für die Besatzungsmacht. Da er eine Leidenschaft für Film und Fotografie hatte, besorgte er sich eine Kamera, mit der er seine schwangere Frau auf ihren Spaziergängen durch Cham filmte. Dabei entstanden die besonderen Impressionen der Chamer Nachkriegszeit. Neben diesem Material lagen noch 300 Negative auf Dia-Film vor, die von den elf Fraunhofer-Schülern gesichtet und digitalisiert werden mussten. Eine weitere Bereicherung stellte für das P-Seminar die Arbeit mit dem Zeitzeugen StD a.D. Josef Bauer (ehemaliger Chemie- und Biologielehrer am Fraunhofer-Gymnasium, dar, der durch seine Erinnerungen dem vorliegenden Material noch eine zusätzliche, ganz persönliche Komponente verlieh, indem er von seinen eigenen Erfahrungen in der Nachkriegszeit erzählte.




... in die Thematik durch Mitglieder des P-Seminars



Auf die Frage hin, ob sie denn mit den Ergebnissen ihrer Arbeit zufrieden seien, antwortete ein Schüler, dass das Geschaffene seine Erwartungen weit übersteige. „Wenn man bedenkt, welches Chaos anfangs herrschte und welche Rückschläge wir wegstecken mussten, ist das Ergebnis schon bemerkenswert. Als wir nämlich das fast unüberschaubare Material aus Straubing bekommen hatten, wussten wir zunächst überhaupt nicht, was wir eigentlich damit anfangen sollen“, gibt Dominik Irrgang (Q12) zu. Die Ideen, einen Film zu schneiden, die alten Aufnahmen mit aktuellen Parallelaufnahmen zu versehen, einen Zeitzeugen mit einzubinden und schließlich eine Ausstellung auf die Beine zu stellen, entstanden erst im Laufe der Arbeit im Seminar. Laut  Aussagen der Schüler hat ihre Lehrerin LAssin Irene Haberl sich bewusst zurückgehalten und das selbstständige Arbeiten betont, wodurch sich eine echte Teamarbeit entwickeln konnte. „Man muss dann einfach anpacken“, sagt Dominik Irrgang, der vor allem an der Erstellung des Films und der Gestaltung der Ausstellung mitgewirkt hat.




Großes Interesse der Besucher an den Stellwänden und am Fotoalbum



Auch Irene Haberl sieht den Erfolg des Projektes darin, dass die Schüler das wissenschaftliche und selbstständige Arbeiten im Team gelernt haben. Außerdem war es die Aufgabe der Schüler, externe Partner zu finden und mit diesen zu kooperieren. Unterstützt wurde das P-Seminar von der Sparkasse Cham und dem Kaufhaus Frey, die auch die Ausstellungsräume zur Verfügung stellten und den Schülern mit Rat und Tat, aber auch mit finanziellen Mitteln zur Seite standen. Besonderer Dank gebührt dabei Markus Banasch, dem Marktbereichsdirektor der Sparkasse Cham, sowie seiner Mitarbeiterin Birgit Weber und der Geschäftsleitung des Kaufhauses Frey.




Freude bei allen Verantwortlichen über die gelungene Veranstaltung



Da die Rechte an dem Bildmaterial weiterhin im Besitz des Stadtarchivs Straubing sind, muss dieses auch wieder dorthin zurückgegeben werden. Deshalb steht es der Chamer Öffentlichkeit nur noch für kurze Zeit zur Verfügung. Um einen Blick auf das Cham der Nachkriegszeit werfen zu können, wie es Wladyslaw Szablinski und seine Zeitgenossen sahen, können die Schalterhalle der Sparkasse Cham und das Restaurant des Kaufhauses Frey besucht werden, wo der Film in einer Endlosschleife läuft und die Ausstellung noch bis 20. Januar zu besichtigen sein wird.

 

 

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